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Abgenabelt und neu an Gott angebunden

Fachtagung beschäftigte sich mit Wegen der Erwachsenen-Katechese

Von KNA-Redakteurin Angelika Prauß

Die französische Sozialarbeiterin Madeleine Delbrel und die Ordensfrau Edith Stein - beide waren zunächst Atheisten, bis Gott in ihr Leben trat. Beide Frauen erkannten nach der Abnabelung vom Elternhaus, Lebenskrisen und dem Kontakt mit Christen mit neuer Offenheit, was Glaube und Christsein ausmachen. Dabei ist eine Bekehrung im Erwachsenenalter keinesfalls ein Privileg von Mystikern oder gar Heiligen. Ähnliche Entwicklungsprozesse machen auch andere Erwachsene durch. Wie dieses "Erwachsen werden im Glauben" pastoral begleitet werden kann, damit beschäftigte sich die gleichnamige Fachtagung des Forums Vinzenz Pallotti in Vallendar und der Philosophisch-Theologischen Hochschule dort.

Madeleine Delbrel hatte in ihrem Leben einen Punkt erreicht, als Gott für sie "zum Allerwichtigsten" wurde. Wenn wie bei ihr der Glaube einem Menschen wieder wichtiger werde und er Erfahrungen mit Gott mache, dann habe er von sich aus die tiefe Sehnsucht, anderen davon zu erzählen, betonte Pallottinerpater Hubert Lenz, einer der Organisatoren der Fachtagung. Wer aber seine Erlebnisse anderen authentisch mitteilen kann, ist mehr als ein Zeuge: Aus dieser Zeugenschaft entsteht eine Erzähl- und Weggemeinschaft, die auch andere mitreißen kann.

Ähnlich sieht es der Freiburger Theologe und frühere Regens des dortigen Priesterseminars, Philipp Müller. Für die Glaubensweitergabe sei nicht nur Glaubenswissen nötig sei. Wie vor Gericht ein Sachverständiger den Zeugen nicht ersetzen könne, so bedürfe es auch bei der Vermittlung des Glaubens glaubwürdiger Zeugen. Bei der Glaubensweitergabe sollten Ehren- und Hauptamtliche mehr Glaubenszeugen als Sachverständige sein. Deshalb seien "Erfahrungsräume" zu schaffen, in denen der Glaube seine "Plausibilität" zeige.

Wendezeiten nutzen

Angesichts begrenzter Ressourcen müssten aber im Verhältnis zu anderen pastoralen Aufgaben katechetische Prioritäten gesetzt werden, so Müller. Bislang gebe es viele Bemühungen um Kinder und Jugendliche sowie bei der Ehevorbereitung. Andere Erwachsene dürften aber "nicht außen vor" bleiben. Gerade bei Wendezeiten des Lebens wie einer Trennung, einem Orts- oder Arbeitsplatzwechsel seien Menschen "für Sinnfragen offen".

Wenn Erwachsene sich mit den Glauben auseinander setzen wollen, brauchen sie nach Einschätzung von Pfarrer Klemens Armbruster vom Seelsorgeamt Freiburg eine ihnen entsprechende Einübung christlicher Grunderfahrungen. In diesem Sinne wandelte er ein bekanntes Sprichwort um: "Was Hänschen gelernt hat, muss sich Hans neu zu Eigen machen." Erwachsene erinnerten sich zwar an religiöse Erfahrungen ihrer Kindheit. Diese seien aber Kindererfahrungen - und als solche noch keine Antwort auf die erwachsene Sinnsuche.

Dabei dürfe man keinesfalls "gleich zu Moral und Dogmatik greifen", warnte Pfarrer Gerhard Nachtwei aus Dessau. Als Seelsorger im weitgehend atheistischen Osten Deutschlands spricht er sinnsuchende Menschen eher durch die theologische Hintertür und durch sein persönliches Zeugnis an. Eindrucksvoll schilderte er das Gespräch mit einer Frau, die am Leben verzweifelt war. "Ich habe ihr gesagt: Sie glauben vielleicht nicht an Gott, aber er glaubt an Sie! Als sie ging, gab sie mir eine Rasierklinge. Ich glaube, ich weiß, was sie mir damit sagen wollte..."

Die Lebenswirklichkeit ansprechen

Um Menschen für den Glauben zu begeistern, sei es nicht damit getan, "pfiffigere Lieder" zu singen, so Nachtwei. Liturgische Feiern müssten die Lebenswirklichkeit sowie die konkreten Sorgen der Menschen ansprechen und ins Gebet nehmen. Feiern müssten lebendig sein - "nicht nur formal richtig". Für Nachtwei liegt die Aufgabe von Mutter Kirche nicht in dem Imperativ: "Mach das, was ich dir sage." Vielmehr müsse sie auf den Menschen mit den Worten zugehen: "Ich helfe dir, dass du in Beziehung zu Gott kommst."

Doch in alteingesessenen Gemeinden stoßen Menschen, die nach intensiver Glaubenserfahrung plötzlich zu Gott gefunden haben, mitunter auf Unverständnis. Davon berichteten einige der über 60 Teilnehmer der Fachtagung. Der Trierer Bischof Reinhard Marx räumte ein, dass regelmäßige Gottesdienstbesucher mitunter den Glauben "an die Wirkmacht der Sakramente" scheinbar verloren haben. Eucharistie und Beichte seien nicht selten mehr zu Routine und äußerlichem Ritual verblasst, ohne davon aber wirklich innerlich berührt zu sein. "Spüren die Gemeinden, dass Jesus Christus in der Eucharistie wirklich bei uns ist?", fragte der Bischof. Menschen, die dagegen erst später zur Kirche fänden, gingen Segen oder Handauflegen "durch und durch"; sie erzählten davon "mit leuchtenden Augen". Der Wunsch des Bischofs: "Wenn wir doch auch so davon reden könnten..."

So verwundert es nicht, dass Pfarreien ihre Probleme mit den Neugetauften haben. Dabei könnten sie das Gemeindeleben doch eigentlich bereichern. Und umgekehrt fühlen sich manche neu zum Glauben gekommenen Erwachsene dort nicht wohl, weil sie mit ihren Erlebnissen auf taube Ohren stoßen. Unter einer solchen "Fremdheitserfahrung" leide er auch, räumte Marx ein. "Nicht jede Pfarrei ist für jeden geeignet." Da könne er es den Neu-Christen nicht verdenken, wenn sie sich eine andere Gemeinde suchten.


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