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SymposionFachtagung 2007

Gruppenarbeit zu Madeleine Delbrêl

Bestimmen Sie in Ihrer Gruppe eine Gruppenleitung, die das Gespräch leitet und die auch dafür sorgt, dass Sie sich spätestens in der letzten 1/4 mit der Schlussfrage befassen.
Bestimmen Sie bitte aus Ihrem Kreis eine/n Berichterstatter/in, welche/r den Ertrag der letzten Frage im Plenum vorträgt.

 

Fragen (für alle Gruppen) zur Gruppenarbeit:

 

 

„In Schichten, in denen Christen und Christinnen seit Generationen unter sich leben, hat schließlich eine Verwechslung zwischen dem Glauben und einer ‚christlichen Mentalität‘ stattgefunden. In dieser Mentalität wurde das freie Geschenk Gottes: ihn erkennen zu dürfen als den, der er ist; handeln zu dürfen, so wie er will; das Geschenk des geschaffenen und des ewigen Lebens, der Schöpfung und der erlösenden Menschwerdung - wurde all dies zu einer Art angeborenen Besitz der derer, die im Christentum aufgewachsen sind, ein Erbgut christlicher Familien.

Allmählich ist so der Glaube an Gott, der lebendige Glaube an den lebendigen Gott, mit dem gesunden Menschenverstand verschmolzen, mit der Vernünftigkeit eines Festhaltens an Gott. Allmählich sind die Tugenden des Evangeliums zu Tugenden anständigen Menschen geworden, bis sie ganz darin aufgegangen sind... Wenn so das christliche Leben in einigen seiner wesentlichen Grundzüge geschwächt ist, wird es von Meinungen und Pflichten, die ihm fremd sind, überwachsenen und beschwert: Man hängt sich an besondere Moralvorstellungen, unterwirft sich politischen Optionen, nimmt einen bestimmten Lebensstil - an sich indifferente Gewohnheiten an und betrachtet all das als Verpflichtungen des christlichen Lebens, setzt es mit dem Glaubensleben gleich."

(Madeleine Delbrêl, Gott einen Ort sichern. Texte, Gedichte, Gebete, hrsg. von Annette Schleinzer,Ostfildern, 2002, 117f.)

 

„In diesem Punkt wie in so vielen anderen ist die Belehrung wie ein kühler Rechenschaftsbericht über eine unbezweifelbare Tatsache: wir waren gerettete Leute, die nie wußten, daß sie verloren gewesen waren. Es war keine Freude vorhanden, weil kein Erschrecken vorausgegangen war."

(Madeleine Delbrêl, Wir Nachbarn der Kommunisten. Diagnosen, Einsiedeln 1975, 243.)

 

„Du lebtest, und ich wußte es nicht.

Du hattest mein Herz nach deinem Maß geschaffen, mein Leben, um so lange zu währen wie du, und weil du nicht da warst, erschien mir die ganze Welt als klein und häßlich und das Schicksal als stumpfsinnig und böse.

Als ich erfahren hatte, daß du lebst, habe ich dir dafür gedankt, daß du mich ins Leben gerufen hast, und ich habe dir für das Leben der ganzen Welt gedankt.

Das Leiden, das auf Erden erlitten wird, erschien mir auf einmal viel größer und viel kleiner zugleich und die Freuden, die hier erfahren werden, viel wahrer und viel kleiner auch sie." (Madeleine Delbrêl, Gott einen Ort sichern. Texte, Gedichte, Gebete, hrsg. von Annette Schleinzer,Ostfildern, 2002, 25f.)

 

„Vielleicht stand ich dem Glauben schon näher als ich meinte. Zunehmend verlangte ich von meiner Aufmerksamkeit dem Wirklichen gegenüber eine fortgesetzte Anstrengung des Bedenkens und Urteilens.

Diese Art elementare Methode bei der Suche nach Antworten auf die Lebensfrage ließ mich meine Grundfrage: ‚Wie lässt sich die Inexistenz Gottes bestätigen?‘ dahingehend ändern: ‚Gibt es einen Gott?‘ Zwischen diesen beiden Fragestellungen hatte sich jedoch etwas ereignet: Ich war mehreren Christen begegnet, die weder älter, noch dümmer, noch idealistischer waren als ich, die vielmehr dasselbe Leben wie ich lebten und ebensoviel wie ich diskutierten und tanzten. Sie hatte mir sogar einiges voraus: Sie arbeiteten mehr als ich, hatten eine wissenschaftliche und technische Ausbildung, die mir fehlte, politische Überzeugungen, die ich weder hatte noch praktizierte. ...

Bisher hatte ich nur sehr wenige Christen in meiner Umgebung gehabt. Ihre Religion erschien mir wie ein Sozialverhalten, das behandelt und eingestuft werden musste wie andere - indifferente oder tragische - ‚Sitten und Gebräuche‘. Sie bereiteten keine der Probleme, wie etwa ein Glaube sie stellt. Meine Kameraden hingegen befassten sich brutal und ausschließlich mit den Schwierigkeiten, die ein Glaube verursacht. Ja, sie bewegten sich frei in all dem für mich Wirklichen, doch brachten sie etwas mit, das ich wohl für ‚ihr Wirkliches‘ bezeichnen musste, und was für ein Wirkliches! Sie redeten über alles, aber auch über Gott, der ihnen unentbehrlich zu sein schien wie die Luft. Sie verkehrten ungezwungen mit jedermann, doch mischten sie in alle Diskussionen, Pläne und Erinnerungen mit einer Unverfrorenheit, für die sie sich manchmal sogar entschuldigen mussten, Worte, ‚Ideen‘, Richtigstellungen Jesu Christi. Hätten sie Christus einen Stuhl hingeschoben, er wäre nicht lebendiger gegenwärtig gewesen. Ja, sie arbeiteten, vergnügten und ärgerten sich wie jedermann, alles das war für sie völlig existent. Doch waren sie ebenso interessiert an dem , was wie der große Wandel ihrer Lebenssituation und die Vereinigung mit diesem Gott erschien, den zu sehen sie schon im vorhinein so sehr beglückte.

Bei den häufigen Begegnungen mit ihnen über mehrere Monate konnte ich ehrlicherweise, wenn auch nicht ihren Gott, so doch Gott nicht mehr im Absurden lassen. Damals hat sich meine Frage gewandelt. ... Wenn ich aufrichtig sein wollte, so konnte ich einen Gott, den es möglicherweise gab, nicht behandeln, als er mit Gewissheit inexistent. Ich wählte das, was mir den Wandel meiner Perspektive am besten auszudrücken schien: Ich entschloss mich zu beten. Die gewöhnliche Lebenserfahrung dieser wenigen Monate hatte mich übrigens eines Tages auf die Idee gebracht, als nämlich bei irgendeiner lauten Auseinandersetzung Teresa von Avila und ihr Wort erwähnt wurde: jeden Tag fünf Minuten still an Gott zu denken.

Vom ersten Mal an betete ich kniend, erst noch aus Furcht vor dem Idealismus. Ich tat es an jenem Tag und an vielen anderen Tagen, ohne auf die Uhr zu blicken. Seitdem habe ich lesend und nachdenkend Gott gefunden. Aber betend habe ich geglaubt, dass Gott mich gefunden hat, dass er die lebendige Wahrheit ist, die man lieben kann, wie man eine Person liebt." (Madeleine Delbrêl, Auftrag der Christen in einer Welt ohne Gott, Einsiedeln 2000, 192)

 

„Bekehrung ist ein entscheidender Augenblick, der uns abkehrt von dem, was wir über unser Leben wissen, damit wir, Aug in Auge mit Gott, von Gott erfahren, was er davon hält und daraus machen will. In diesem Augenblick wird Gott für uns zum Allerwichtigsten, wichtiger als jedes andere Ding, wichtiger als jedes Leben, selbst und vor allem das unsrige. Ohne diesen höchsten, überwältigenden Primat des lebendigen Gottes, der uns einfordert, seinen Willen unserem Herzen vorstellt, damit es in Freiheit Ja oder Nein antworte, gibt es keinen lebendigen Glauben."

(Madeleine Delbrêl, Wir Nachbarn der Kommunisten. Diagnosen, Einsiedeln 1975, 267f.)


3. Gruppe: „Das Buch des Herrn"

„Abbe Lorenzo" ... „hat mir das Evangelium gleichsam geöffnet. Das Evangelium ist nicht nur ein Buch der Kontemplation, der Anbetung, der Offenbarung eines zu verkündigenden Gottes. Es ist mir darüber hinaus das Buch geworden, das - in den Händen der Kirche - sagt, wie man leben soll, um zu betrachten, und wie man lebt, wenn man betrachtet: leben, um anzubeten und in Anbetung zu leben; leben im Hören auf die Frohe Botschaft und sie verkünden.

Das Evangelium ist nicht nur das Buch des lebendigen Herrn, sondern auch das Buch des Herrn, den man leben soll." (Madeleine Delbrêl, in: Boismarmin, Christine de, Madeleine Delbrel. Mystikerin der Straße, München 1996, 35f.)

 

„Das Wort Gottes trägt man nicht in einem Köfferchen bis ans Ende der Welt: Man trägt es in sich, man nimmt es mit sich auf den Weg.

Man stellt es nicht in eine innere Ecke, in einen Winkel des Gedächtnisses, um es aufzuräumen wie in das Fach eines Schrankes.

Man lässt es bis auf den Grund seiner selbst sinken, bis zu dem Dreh- und Angelpunkt, in dem sich unser ganzes Selbst dreht.

Missionar sein kann man nur, wenn man dem Wort Gottes, dem Evangelium, in sich selbst einen offenen, weiten, herzlichen Empfang bereitet hat.

Der lebendige Drang dieses Wortes geht dahin, Fleisch zu werden, Fleisch zu werden in uns. Und wenn wir so von ihm bewohnt sind, dann sind wir dafür geeignet, Missionare zu werden.

Diese Menschwerdung Gottes in uns, diese Einwilligung, uns von ihm modeln zu lassen, das nennen wir Zeugnis geben." (Madeleine Delbrêl, Gott einen Ort sichern. Texte, Gedichte, Gebete, hrsg. von Annette Schleinzer,Ostfildern, 2002, 38.)

 

„Wenn wir zusammenkommen, um das Evangelium miteinander zu lesen, tun wir das nicht, um Studien zu betreiben, sondern um bei ihm Zuflucht zu finden. Betend, suchend und aufmerksam hörend versammeln wir uns um die Person Jesu, um das, was er gesagt hat, um das, was er getan hat. Wir bringen unser Leben mit ihm in Kontakt, so, wie es ist - damit er es immer mehr zu dem werden lässt, was es sein soll."

(Madeleine Delbrêl, Gott einen Ort sichern. Texte, Gedichte, Gebete, hrsg. von Annette Schleinzer,Ostfildern, 2002, 41.)

 

4. Gruppe: „der zeitliche Einsatz der Liebe Gottes zur Welt"

„Aber den apostolischen Einsatz kannten wir praktisch nicht, den normalen Einsatz eines christlichen Lebens angesichts seines ungläubigen Nächsten. Wir lebten ein christliches Leben, aber ein unter Christen gelebtes christliches Leben.

Darin wurden wir erzogen, daraufhin ausgebildet.

Jetzt gilt es uns zu wandeln, auf Grund einer Verpflichtung, der wir uns nicht entziehen können, weil sie für die Berufung zum Christen konstitutiv ist. Das läßt sich nicht ohne Verspätung, ohne Schmerz und Irrtum erreichen. Irrtümer vor allem, da wir praktische Ignoranten der übernatürlichen Wirklichkeit sind: der Mission, für die uns Gott den Glauben geschenkt hat. [...]

Wir müssen vom ABC an neu und unmittelbar über die christliche Berufung, die christliche Sendung unterwiesen werden." (Madeleine Delbrêl, Gebet in einem weltlichen leben, Einsiedeln 5/1993, 97f;100.)

 

„Der Herr und die Kirche werden niemals aufhören, von uns vor allem und ohne Unterlass, vor allen anderen Geboten, vor allem, was man uns raten oder nahelegen mag, dies zu verlangen: dass wir die beiden Gebote der Liebe verwirklichen, der Liebe des Evangeliums. Gebote, deren zweites dem ersten ähnlich ist, Gebote, die immer die beiden Hauptgebote sein werden: „Du sollst lieben ..." Wir bleiben frei, den Willen des Herrn anzunehmen oder nicht. Und wir wissen auch, dass im Willen des Herrn eines nie zur Debatte steht: Wir sollen den Herrn lieben. Wir können ihn nicht lieben, wenn wir nicht jeden einzelnen Menschen, dem wir begegnen, wie uns selbst lieben (dies ist das Mindeste!). Wir können nicht die Menschen mit einer Liebe lieben, die uns daran hindert, den Herrn zu lieben.

Dies ist etwas so Großes, so Absolutes, so Unbestreitbares, es ist so eindeutig das Grundgesetz unseres Lebens, dass alles übrige zweitrangig wird; ganz zwangsläufig werden alle anderen Fragen nebensächlich.

Dann gibt es da noch, geradezu an diese beiden Gebote ‚festgeklebt‘, das Gebot Jesu Christi: das Gebot, das für uns das oberste Gesetz all derer ist, die an ihn glauben, das Gebot, das uns ganz genau sagt, was wir in Christus mit jedem Menschen, der an ihn glaubt, mit jedem Glied der Kirche sein sollen: ‚Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.‘

Den Kommunisten gegenüber, die wir kennen, heißt das: Jean, Jacque, Pierre sind Kommunisten, aber sie sind Menschen, und deshalb sind sie deine Nächsten. Mag sein, dass du manche Dinge mit ihnen gemeinsam unternehmen kannst und andere nicht, doch dies ist sicher: Du musst sie lieben, mindestens so wie dich selbst. Sei für sie die lebendige Verwirklichung der Bergpredigt, tu an ihnen, was in dem Gleichnis beschreiben sit: ‚Ich war nackt ...‘

Doch diese Liebe darf dich nie dazu führen, etwas zu tun, was dich oder die anderen daran hindert, Gott zu lieben und alle Menschen zu lieben.

Aber ebenso darf diese Liebe uns niemals daran hindern, jeden Christen, ob wir ihn kennen oder nicht, so zu lieben, wie Christus uns geliebt hat.

DIES IST KLAR, ES IST UNBESTREITBAR KLAR."

(Madeleine Delbrêl, in: Boismarmin, Christine de, Madeleine Delbrel. Mystikerin der Straße, München 1996, 180f.)


5. Gruppe: „Von den neuen Gemeinschaften"

„Christen leben in einer Gemeinschaft vor allem deshalb, um dem an sie gerichteten Wunsch des Herrn nach Liebe gemeinsam zu antworten: man tut sich zusammen, um soweit als nur möglich die wahre Liebe zum Herrn und zu den Mitmenschen zu leben.

‚Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind' (Mt 18,20), dann entsteht eine echte, wirkliche Einheit. Man tut sich zusammen, um eins mit dem Herrn zu sein, der die Welt verändern kann.

Gefährdet wäre eine solche Gemeinschaft, wenn sie sich mit Freundschaft, Kameradschaft, Zuneigung begnügte; es muss die Liebe Christi sein, die uns zusammenschmelzt.

Die Chance einer Gemeinschaft liegt darin, Leuten zu begegnen, die entschlossen sind, sich miteinander bis ans Ende zu lieben, ohne gegenseitige falsche Nachsicht. Es braucht eine Einheit, damit das Reich Gottes sich aufbaut: eine lebendige Gemeinschaft ist ein kleines Stück dieses Reiches. So kann zwischen der Sendung der Einzelnen und der Gemeinschaft kein Konflikt entstehen.

Die Gegenwart des Herrn in der Gemeinschaft müsste uns tiefe Ehrfurcht vor dieser einflößen: durch sie nähert sich uns der Herr. Wo immer gegenseitige Liebe verletzt wird, da wird Christus vor die Tür gesetzt, nicht nur aus der Gemeinschaft, sondern aus den anderen heraus, weil er nicht mehr da ist. [...]

Ganz gewiss: man muss gleichzeitig im Gedächtnis behalten, dass Einheit nicht Gleichförmigkeit ist: immer gibt es die Versuchung einer konfortablen Einheit, wo jedermann Lust hätte, das gleiche auf gleiche Weise zu gleicher Zeit zu verrichten. Man soll im Gegenteil suchen, im Herrn die Persönlichkeit eines jeden zu sehen und sich um jeden Preis von den fertigen Schablonen befreien, in die man die andern steckt. Ferner muss man bedenken, dass der Herr es sich vorbehalten hat, uns an seinen Leiden teilzugeben, und dass wir nicht gebeten sind, ihm dabei unsern Gemeinschaftsmitgliedern gegenüber zu helfen. Es gibt immer eine Möglichkeit, die Leute weniger zu verletzen, selbst wenn man sie verletzen muss.

Die Welt hat ein Anrecht auf unsere heilen und heiligen Gemeinschaften: wenn ein Gemeinschaft diese Eigenschaften verliert, dann ist der Herr in ihr nicht mehr gegenwärtig ... Es gibt kein Rezept dafür, wie man ein Liebender wird; man muss bis zum Herzen des Herrn vordringen, um das Mittel dazu zu finden. Alles übrige reicht nicht über Kniffe hinaus."

 

„Die Gemeinschaft dient der Vertiefung der persönlichen Christusliebe"

(Madeleine Delbrêl, Frei für Gott. Über Laien-Gemeinschaften in der Welt, Einsiedeln 1991, 35f;103).

 

„Der Ball des Gehorsams

 

Es ist der vierzehnte Juli.

Alle Leute gehen zum Tanz.

Überall, seit Monaten, seit Jahren, tanzt die Welt.

Je mehr man auf ihr stirbt, um so mehr tanzt man auf ihr.

Wogen des Krieges, Wogen des Tanzes.

 

Es gibt wahrhaft viel Lärm.

Die ernsthaften Leute schlafen.

Die Ordensleute lesen laut das Morgengebet des heiligen König Heinrich.

Und ich, ich denke,

an den anderen König,

an David, der vor der Bundeslade tanzte.

 

Denn wenn es auch viele heilige Leute gibt, die nicht tanzen mögen,

so gibt es doch auch viele heilige Leute, die das Bedürfnis hatten zu tanzen,

weil sie so sehr glücklich waren zu leben:

Die Heilige Teresa mit ihren Kastagnetten,

der Heilige Johannes vom Kreuz mit dem Jesuskind in den Armen,

und der Heilige Franziskus vor dem Papst.

Wenn wir glücklich über dich wären, Herr,

könnten wir diesem Bedürfnis zu tanzen nicht widerstehen;

das sich über die Welt ausbreitet,

und wir würden schließlich ahnen,

welcher Tanz es ist, den du uns tanzen lassen willst,

wenn wir uns mit den Schritten deiner Vorsehung hingäben.

Denn ich könnte mir vorstellen, dass du vielleicht genug hast

von den Leuten, die mit der Miene von Feldwebeln immer davon sprechen dir zu dienen,

die mit dem Gehabe von Professoren davon sprechen, dich zu kennen,

dich zu erreichen nach sportlichen Regeln.

dich zu lieben, wie sich ein altes Ehepaar liebt.

 

Eines Tages, als du Lust auf ein bisschen was anderes spürtest,

hast du den Heiligen Franziskus erfunden

und hast ihn zu einem Gaukler gemacht.

Uns bleibt es überlassen, uns erfinden zu lassen.

Um fröhliche Menschen zu sein, die ihr Leben mit dir tanzen.

 

Um ein guter Tänzer zu sein, muss man nicht wissen, wie es weiter geht - mit dir wie anderswo,

wie es weiter geht.

Man muss folgen,

fröhlich sein,

leicht sein,

und vor allem nicht steif sein.

Man darf nicht nach Erklärungen fragen,

in Bezug auf die Schritte, die dir zu tun gefallen.

Man muss dir gehören,

beweglich und lebendig durch dich,

und durch dich den Rhythmus des Orchesters erspüren.

 

Man soll nicht um jeden Preis vorwärts kommen wollen,

sondern es annehmen, sich nach links und rechts zu wenden.

Man muss anzuhalten wissen, und zu gleiten anstatt zu marschieren.

Und das wären alles nur sinnlose Schritte,

wenn die Musik nicht eine Harmonie daraus machen würde.

Aber wir vergessen die Musik deines Geistes,

und wir machen aus unsrem Leben eine Gymnastikübung;

wir vergessen, dass es sich in deinen Armen tanzt,

dass dein Heiliger Wille

von unbegreiflicher Phantasie ist,

und dass es Monotonie und Langeweile

nur für die alten Seelen ist,

die als Mauerblümchen

am Rand des fröhlichen Balls deiner Lieber sitzen.

 

Herr, komm und lade uns ein.

Wir sind bereit, dir diese Besorgung,

diese Rechnungen, das Abendessen, das es vorzubereiten gilt,

diese Nachtwache, wo man schlafen möchte, zu tanzen.

 

Wir sind bereit, dir den Tanz der Arbeit zu tanzen,

den der Hitze, später den der Kälte.

Wenn manche Melodien in Moll stehen,

werden wir dir nicht sagen,

dass sie traurig sind;

Wenn andere uns ein wenig erschöpfen,

werden wir dir nicht sagen,

dass sie Quasselstrippen sind,

und wenn Leute uns stoßen, werden wir es mit einem Lachen hinnehmen,

wohl wissend, dass das passiert vor allem wenn man tanzt.

Herr, zeige uns den Platz,

den in diesem ewigen Roman,

der zwischen dir und uns begonnen hat,

dieser einzigartige Tanz unseres Gehorsams einnimmt.

 

Offenbare uns das große Orchester deiner Absichten,

worin das, was du erlaubst,

seltsame Töne von sich gibt

in der Gelassenheit dessen, was dein Wille ist.

Lehre uns jeden Tag neu

unsere menschliche Beschaffenheit anzuziehen

wie ein Ballkleid, das uns um deinetwillen

alle Einzelheiten lieben lässt wie unerlässliche Juwelen.

 

Lass uns unser Leben leben,

nicht wie ein Schachspiel, wo alles kalkuliert ist,

nicht wie ein Wettkampf, wo alles schwierig ist,

nicht wie ein Lehrsatz, an dem wir uns den Kopf zerbrechen,

sondern wie ein Fest ohne Ende, wo die Begegnung mit dir sich erneuert,

wie ein Ball,

wie ein Tanz

in den Armen deiner Gnade,

in der universellen Musik der Liebe.

 

Herr, komm und lade uns ein."

 

(Madeleine Delbrêl, in: Rita Knöppfler-Parsons, Madeleine Delbrêl. Das Aggiornamento der Demut in ihrem Leben und in ihren Schriften, München 2006, 114-120.)

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